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Aktuelles 2019

Kurznachrichten 02/2019+

Liebe Mitglieder,

das Heft 2 unserer Nachrichten dieser Saison kommt recht spät. Da waren Zeitgründe maßgebend, die eine frühere Erstellung nicht möglich machten. Dafür erhielten Sie „außer der Reihe“ zum Jahreswechsel einen Brief. Wir Vorstandsmitglieder danken Ihnen sehr herzlich für Ihre Mitgliedsbeiträge, wobei wir uns über so manche und auch sehr großzügige „Aufrundungen“ besonders gefreut haben. Besonders freuen wir uns über den großen Mitgliederzuwachs, über den wir am Schluss dieser „Nachrichten …“ informieren. Viele Grüße auch im Namen aller weiteren Vorstandsmitglieder!

Ihr


Dr. Andreas Creuzburg
Vorstandsvorsitzender

1. „Kleine Saalorgel“ – Nachlese


Wir können Sie darüber informieren, dass die von uns finanzierte Kleine Saalorgel inzwischen fest in die Veranstaltungsangebote des Leipziger Gewandhauses integriert ist. Gewandhausorganist Michael Schönheit lässt sie in schöner Regelmäßigkeit in den Orgelstunden erklingen. Ein Besuch lohnt sich wirklich, weil diese Orgel so gut klingt bzw. von Michael Schönheit so wunderbar zum Klingen gebracht wird. Wohltuend ist – das war ja der Hauptgrund für die Anschaffung – das Konzertieren mit anderen Instrumenten. Am 20. April können Sie „unsere“ Orgel erneut im Gewandhaus hören!
Sie, liebe Mitglieder, wissen ja sicherlich, dass das Gewandhaus zu Leipzig den rechtlichen Status eines Eigenbetriebes der Stadt Leipzig hat. Deshalb war der Vergabeausschuss der Stadtverwaltung in das Vorhaben eingebunden und war damit einverstanden, dass der Auftrag zum Bau dieses Instrumentes nicht, wie wegen des Finanzumfangs vorgeschrieben, europaweit ausgeschrieben wird. Die freihändige Vergabe entsprach dem Wunsch des Gewandhauses, weil beim Bau eines derartigen Instrumentes – man könnte sogar sagen „eines Kunstwerkes“ – andere Kriterien zu gelten hätten als das nur preiswerteste Angebot. Der Leiter des Hauptamtes, Herr Dr. Christian Aegerter, auch Mitglied unserer Gesellschaft, hatte den sehr guten Gedanken, die Mitglieder des Vergabeausschusses vor kurzem in das Gewandhaus zu bitten, damit sie dieses Instrument einmal selbst kennenlernen. Diese Zusammenkunft war ein voller Erfolg, denn Michael Schönheit erläuterte den Ausschussmitgliedern die Orgel und spielte sie naürlich auch. Die Ausschussmitglieder waren begeistert und hätten nicht gedacht, dass dieses Instrument mit knapp 200.000 Euro so „preiswert“ war. Selbstverständlich erhielt auch unsere Gesellschaft viel Lob, denn die Finanzierung war ja, bis auf die zweifellos schöne Spende der Sparkasse Leipzig, fast ausschließlich durch private Geldgeber ermöglicht worden.
Durch unser großes Projekt ist die Wahrnehmung unserer Gesellschaft in der Öffentlichkeit weiter gestiegen: Viele Musikfreunde sind durch unser Orgelprojekt auf uns ganz besonders aufmerksam geworden und stellten Anträge auf Mitgliedschaft. Denn: „Die machen was!“


2. Jahresmitgliederversammlung 2019


Auch wenn vielen von Ihnen der Termin bereits bekannt sein dürfte: Bitte notieren Sie, dass unsere Jahresmitgliederversammlung 2019 am Freitag, den 17. Mai um 15:00 Uhr stattfinden wird. Wie immer ist diese Veranstaltung mit einem nachfolgenden Gewandhauskonzert verbunden. Das Formular mit der Kartenbestellung haben Sie ja bereits erhalten. Die offizielle Einladung mit der Tagesordnung geht Ihnen dann separat zu. Schon jetzt freuen wir uns auf zahlreiches Erscheinen.

3. Aktuelle Förderprojekte für das Gewandhaus


Dank Ihrer vorn im „Gruß“ bereits erwähnten Mitgliedsbeiträge mit z.T. schönen Aufrundungen sieht sich unsere Gesellschaft trotz der enormen Summe für die „Kleine Saalorgel“ dennoch zu Spendenobjekten 2019 in der Lage. Das Gewandhausorchester benötigt erneut ein Kontrafagott und könnte ein noch im Eigentum der Berliner Philharmoniker befindliches Instrument erwerben. Auch wenn es sich um kein neues Kontrafagott handelt, genügt es natürlich den hohen Ansprüchen unseres Orchesters und ... wir brauchen „nur“ 30.000 € dafür bereitzustellen. Die offizielle Übergabe an das Orchester erfolgt während des Konzertes nach unserer Jahresmitgliederversammlung.

Mit dem Begriff „Impuls“ möchte die Musikvermittlung unter Leitung von Frau Franziska Vorberger bereits noch kleine Kinder an die Leipziger Musikkultur heranführen. Und wenn Kinder das nicht nur mit Worten, sondern auch im wahrsten Wortsinne „begreifen“ sollen, ist das viel wirksamer, benötigt aber materielle Hilfe. Deshalb sind wir um die Bereitstellung von ca. 3.000 € gebeten worden. Mit diesem Betrag soll ein aus neun wetterbeständigen Würfeln bestehendes Puzzle geschaffen werden. Auf den je sechs 50 x 50 cm großen Würfelflächen werden sich Abbildungen von Orchesterinstrumentengruppen, Einzelinstrumenten, Gewandhauskapellmeistern u.a. befinden, die die Kinder je nach Anlass und Aufgabenstellung zusammensetzen sollen. „Premiere“ für das Unikat sollen die beiden Rosentalkonzerte 2019 sein. Wir freuen uns, wieder einmal unserem musikalischen „Nachwuchs“ behilflich sein zu können.


4. Vereinsabzeichen-„Nachschub“

Nicht zuletzt wegen der vielen neuen Mitglieder sind unsere Abzeichen schlichtweg „alle“ geworden. Abgesehen davon, dass wir einer Reihe unserer neuen Mitglieder die Abzeichen dann nachsenden werden, werden wir diese auch zur Jahresmitgliederversammlung auslegen. Das vor allem deshalb, weil nunmehr welche mit für Damenkleidung geeignetem Magnetverschluss dabei sein werden. Damit kommen wir mehrfach geäußerten Wünschen unserer weiblichen Mitglieder nach.

5. Übergabe der Chronik aller bisherigen „Treffs im Nikisch-Eck“ an das Gewandhaus zu Leipzig

Da dank der engagierten Arbeit der Initiativgruppe innerhalb unserer Gesellschaft sich die Treffs zu einem beliebten Termin bei sehr vielen unserer Mitglieder entwickelt haben und es deshalb auf der Hand lag, auch jenen Mitgliedern davon zu berichten, die zum Besuch keine Möglichkeit haben, sind diese Berichte seit längerer Zeit Bestandteil dieser „Nachrichten …“ geworden. Aus diesem Grunde kamen die Mitglieder der Initiativgruppe überein, keine separate Chronik mehr zu führen. Als geeigneter Termin bot sich hierfür der Treff am 13. Februar 2019 an, weil es die 200. (!) Veranstaltung war; der Treff bestand nunmehr seit genau 20 Jahren! Vor Beginn des eigentlichen Treffs – Bericht darüber weiter hinten – standen auf einem kleinen Extratisch vier Ordner mit den gesammelten schriftlichen und illustrierten Berichten. Die Leiterin der Initiativgruppe, Frau Dr. Rita Berger, verlas einen „Prolog“, mit dem die Chronik begründet wurde und dankte mit herzlichen Worten den „Machern“ dieser verantwortungsvollen Arbeit. Herr Dr. Creuzburg überreichte allen Akteuren unter dem Beifall der wie immer vielen Treff-Anwesenden Blumen. Dann verlas Frau Dr. Berger einen „Epilog“, in welchem nochmals die Chronik als schönes Zeitdokument gewürdigt wurde. Herr Dr. Creuzburg übergab der extra erschienenen Dramaturgin des Gewandhauses, Frau Dr. Katrin Zimmermann, symbolisch diese Aktenordner.  Sie bedankte sich mit sehr herzlichen und dankbaren Worten für die Übergabe und versicherte, dass vor allem in späteren Zeiten diese instruktive Chronik sich zu einem wertvollen Archivbestand entwickelt haben wird. Sie staunte selbst, welche ihr noch unbekannten Musiker schon bei uns zu Gast waren und bekräftigte nochmals, dass diese Chronik sich durchaus zu einem Nachschlagewerk entwickeln würde. Wir sind sicher, dass die viele Arbeit, die in diese Chronik gesteckt wurde, wegen der Zukunftsträchtigkeit nicht umsonst gewesen ist. Bei dieser Gelegenheit dankte der Vorstand unserer Gesellschaft nochmals ganz herzlich allen daran Beteiligten.

6.  „Treffs im Nikisch-Eck“

Am 12. September 2018 waren die Mitglieder der Gruppe der Zweiten Geigen im Gewandhausorchester, Frau Beate Roth und Frau Gudrun Spörl, unsere Gäste, wobei es „präzise“ heißen muss, dass Frau Roth jetzt ein ehemaliges Orchestermitglied ist. Frau Roth wuchs in einem musikalischen Leipziger Elternhaus auf; der Vater war Thomaner und die Mutter Mitglied des Opernchores. Der auch Klavier spielende Vater musizierte häufig mit seiner Tochter, und so lag es nahe, dass Frau Roth bereits die Kinderklasse der Hochschule für Musik besuchte. Dort erhielt sie Unterricht bei dem Geiger im Gewandhausorchester, Herrn Fiehring. Außerdem lag es nahe, dass sie Substitutin in diesem Orchester wurde. Nach ihrem erfolgreichen Examen wurde sie aber zunächst Geigerin im damaligen Rundfunk-Sinfonieorchester in Leipzig. Ihr fehlte jedoch bei den Diensten das Spiel in der Oper, sodass sie sich nochmals mit einem Probespiel beim Gewandhausorchester bewarb, und es gelang erfolgreich! Frau Roth war somit von 1979 bis 2016 Mitglied in diesem Orchester, ehe sie in den wohlverdienten Ruhestand trat. Die Tatsache, dass sie gemeinsam mit einer noch im Gewandhausorchester tätigen Geigerin unser Gast war, zeigt, dass sie sehr dankbar an ihre 37 Jahre lang währende künstlerische Tätigkeit zurückdenkt. – Frau Gudrun Spörl ist gebürtige Hallenserin und stammt ebenfalls aus einem musikinteressierten, wenn auch nicht Musik ausübenden Elternhaus. Sie spielte, wie so viele Kinder, zunächst Blockflöte; zur Geige gelangte sie per „Zufall“ in der Spezialschule für Musik, wie sie lachend erzählte. So ganz „zufällig“ muss das wohl nicht gewesen sein, denn sie hatte bestimmt schon eine Begabung für dieses doch schwierige Instrument. Frau Spörl ist seit 1980 Mitglied des Gewandhausorchesters, nachdem sie Unterricht bei dem berühmten Geigenlehrer, Herrn Prof. Hertel (ehrenvoll auch „Geigenmacher“ genannt!), an der Leipziger Musikhochschule genossen hatte. Frau Spörl betonte, dass sie im Orchester gern mit ausländischen Musikern zusammenspielt und erzählte, dass zu DDR-Zeiten sich etwa 10 – 20 Bewerber auf eine freigewordene Stelle bewarben; heute sind es ca. 350 aus aller Welt! Frau Spörl lobte die Notenpulte, was uns Anwesende natürlich sehr freute, denn unsere Gesellschaft hatte im Jahre 2016 86 dieser wirklich sehr luxuriösen Pulte (mit Doppelsteg) übergeben.

Am 24. Oktober 2018 war der Leiter des Konzertbüros und der Musikvermittlung im Gewandhaus, Herr Tobias Niederschlag, unser Gast. Der 1977 im nordrhein-westfälischen Olpe Geborene stammt aus einem zwar nicht Musik ausübenden, aber Musik liebenden Elternhaus. Da in der näheren Umgebung keine Konzerte stattfanden, verfügten die Eltern über eine große Plattensammlung, in der sich auch Schallplatten mit dem Gewandhausorchester unter Kurt Masur befanden. Dadurch war ihm das Gewandhaus bereits als Kind ein Begriff. Mit sechs Jahren erhielt Herr Niederschlag Musikunterricht und studierte nach seinem Abitur in München Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft und Germanistik. Er konnte, wie er dankbar betonte, einen Musik-Zivildienst ableisten, u.a. in Altersheimen. Während des Studiums war er Praktikant in Münchener Orchestern, aber auch in Chicago. 2003 übernahm er die Stelle als Konzertdramaturg bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Zunächst gestaltete er Programmhefte und Einführungen; später war er dort in der Planung tätig. Nach 14jähriger Tätigkeit in der Semperoper bewarb er sich als Nachfolger von Frau Epping im Gewandhaus, und er freute sich, nunmehr in einem Konzerthaus tätig zu sein. Er gab uns einen kleinen Einblick in seine Tätigkeit. Sie ist ja sehr „zukunftsorientiert“, denn bei dem Engagement von Gastdirigenten muss ein drei- bis vierjähriger Vorlauf eingeplant werden; bei Solisten sind es ca. zwei Jahre. Entsprechend muss darauf auch die Programmgestaltung abgestimmt werden. Er engagiert sich sehr für Gegenwartsmusik, betonte jedoch, dass auch die Wiener Klassik nicht nur wegen der Beliebtheit beim Publikum, sondern auch wegen der „Orchester-Hygiene“, wie er lachend sagte, gepflegt wird. Sein Engagement für Gegenwartsmusik käme auch damit zum Ausdruck, dass er noch vor seinem Tätigkeitsbeginn im Oktober 2017 beim Gewandhaus bereits im Jahre 2009 die Initiative zu einem Schostakowitsch-Fest in Gohrisch ergriff. Schostakowitsch verlebte in diesem kleinen Ort in der Sächsischen Schweiz häufig seinen Urlaub und komponierte u.a. sein 8. Streichquartett. Ein wenig vergleichbar mit den von dem Bratscher Henry Schneider organisierten Stelzenfestspielen bei Reuth besteht dort ein Förderverein; das ganze Dorf hilft mit bei den nun zur Tradition gewordenen Festspielen, bei denen weiterhin die Musik von Schostakowitsch fester Bestandteil ist. Tobias Niederschlag hob als Besonderheit, die auch seine Arbeit intensiv mitberührte, die Kooperation Leipzig – Boston hervor, die im Zuge des Engagements von Andris Nelsons als Gewandhauskapellmeister aus der Taufe gehoben wurde. Zum Abschluss des interessanten und wie immer von Frau Prof. Schmidt lebendig moderierten Gesprächs verwies Tobias Niederschlag bereits auf das 2021 stattfindende Mahler-Festival, das wiederum Spitzenorchester aus aller Welt in Leipzig versammeln wird.

Am 14. November war Frau Dr. Annika Bach, Verlagsleiterin des E.A. Seemann Henschel Verlages bei uns zu Gast. Dass es dazu kam, hatte zwei Gründe: Zum einen hatte Frau Dr. Bach unlängst den uns erfreuenden Antrag auf Firmenmitgliedschaft gestellt und zum anderen bot sich das Verlagsprofil geradezu an, uns Mitgliedern nähergebracht zu werden.
Die gebürtige Freiburgerin studierte Publizistik und Literaturwissenschaft an der Freien Universität in Berlin und promovierte auf dem Gebiet der Publizistik sowohl an der Freien Universität Berlin als auch an der Columbia University New York. Der „Schwenk“ in das Verlagswesen ergab sich, wie sie anschaulich erzählte, auch durch ihren Vater. Er war als Verleger in der nach der Einheit Deutschlands gebildeten Verlagsgruppe Seemann Henschel tätig. Seit dem 1. Oktober 2017 ist Frau Dr. Bach Verlagsleiterin; die Verlagsgruppe gehört zu dem Unternehmen von Dr. Michael und Doris Kölmel.
Unter dem Namen E.A. Seemann werden hochwertige Bücher zum Thema „Kunst“ herausgegeben, für den Namen Henschel sind es Bücher auf musikalischem Gebiet und Darstellende Kunst. Eine unternehmerische Seltenheit sei, so Frau Dr. Bach, ihre hervorragende Zusammenarbeit mit dem sehr bekannten Bärenreiter-Verlag Kassel. So vertreibt „Bärenreiter“ gemeinsam herausgegebene Bücher musikalischen Inhalts in Musikalienhandlungen, während es „Henschel“ in Buchhandlungen tut.
Gemeinsam mit ihrer Mitarbeiterin, Frau Saskia Liske, hatte Frau Dr. Bach einige Bücher mitgebracht, aus denen sie neugierig machende Auszüge vorlas. Wer hätte z.B. gedacht, dass der berühmte Pianist András Schiff zehn Regeln für Konzertbesucher aufgestellt hatte, von denen drei lauten „nicht in Satzpausen klatschen“, „am Schluss nicht sofort losklatschen“, „während des Konzertes nicht im Programmheft lesen“. Wer denkt da nicht an eigene Erlebnisse oder vielleicht auch an eigenes Verhalten? Fundierte Führer zu einzelnen Opern, ein bibliophil wunderbar gestaltetes Musiklexikon und der Band „Der Klang der Utopie“ über das weit über das rein Musikalische hinausgehende Wirken von Daniel Barenboim rundeten die Darstellung ab. Musikalisch umrahmt wurde unser „Treff …“ mit passender Musik zu einigen der vorgestellten Bücher, wie der 1. Satz der „Waldstein-Sonate“ mit András Schiff, einer von Jonas Kaufmann gesungenen Operettenarie und natürlich „Carmen“, dessen umjubelte Premiere nach einem Probebesuch gemeinsam mit dem Förderverein der Oper Leipzig zwei Wochen später stattfand. Lag es an den so schönen Büchern, lag es an der erkenntnisreichen und sehr sympathisch wirkenden Art Frau Dr. Bachs, ihren Verlag und einige der Editionen vorzustellen: Rund die Hälfte der vielen mitgebrachten Bücher fanden zufriedene Besitzer. Zum Schluss drückte die junge Verlegerin die Hoffnung aus, dass trotz der sich wandelnden Medienlandschaft das anspruchsvolle Buch eine Zukunft habe. Aber, dass sei hinzugefügt, ohne solche klugen, kommunikationserfahrenen und auch risikobereiten Verlegerpersönlichkeiten, wie sie Frau Dr. Annika Bach darstellt, wird es wohl deutlich schwieriger sein!

Die Veranstaltungen zur Übergabe der Kleinen Saalorgel am 31. Oktober 2018 waren  besonders geprägt durch die inhaltsreichen und witzigen Worte des Erbauers Kristian Wegscheider mit seiner Dresdener Werkstatt. Deshalb bestand der Wunsch, ihn kurzfristig zu einem unserer „Treffs …“ einzuladen. Herr Wegscheider machte das fast Unmögliche wahr und war fünf Tage vor Weihnachten, also am 19. Dezember 2018, unser Gast. Unsere Mitglieder wollten einfach noch mehr von ihm selbst wissen. Wer diesen Orgelbauer bereits erlebt hatte, musste sich nicht wundern, mit welch rhetorischer Gabe, mit Witz und Selbstironie er aus seinem Leben erzählte. Kristian Wegscheider wurde in Ahrenshoop auf dem Fischland geboren. Die Eltern seien unmusikalisch gewesen. Orgelbauer wurde er unter anderem auch deshalb, weil die erste Frau des bekannten Orgelbauers Hans-Joachim Schuke in Ahrenshoop, ihrem gewählten Alterssitz lebte. Er machte Abitur, begann jedoch kein Studium, und Frau Schuke drängte ihn geradezu: „Kristian, Sie müssen Orgelbauer werden!“ Hinzu kam noch, dass die bekannten Organisten Robert Köbler und Johannes-Ernst Köhler oft in Ahrenshoop auf der Orgel in der berühmten hölzernen Schifferkirche spielten, sodass er dadurch viele Anregungen erhielt. Im Sinn von zeittypischem Imponiergehabe skandierte er als Abiturient oftmals den Satz „Wenn ich mal scheitere im Leben, werde ich Orgelbauer.“ Während seiner NVA-Wehrdienstzeit fühlte er sich offenbar als bereits gescheitert, denn er bewarb sich bei allen vier in der DDR tätigen VEB-Orgelbauwerkstätten. Er wurde schließlich von der Firma VEB Orgelbau-Jehmlich genommen, hatte aber, wie er selbst sagte, „keinerlei Ahnung von Orgelbau“. So arbeitete er in Vorbereitung auf den Orgelbauberuf zunächst ein Jahr bei einem Tischler in Barth und begann danach in Dresden 1975 seine Orgelbaulehre bei dem Orgelbauer Horst Jehmlich. Weil Kristian Wegscheider schnell der Umgang mit alten Orgeln sehr ans Herz gewachsen war, absolvierte er parallel zur Lehre noch ein Fernstudium für Restaurierung von Musikinstrumenten, das er 1980 abschloss. Die Firma Jehmlich erhielt den Auftrag, die berühmte große Silbermann-Orgel in Freiberg zu restaurieren, und der Inhaber vertraute Kristian Wegscheider die Arbeit an. Damals war er 27 Jahre alt, und er bekannte freimütig, dass diese Arbeit an der berühmten Silbermann-Orgel seine eigentliche Schule gewesen sei. Im Dom zu Güstrow restaurierte er wiederum eine alte Orgel, wobei ihm bereits der Gedanke kam, selbständig zu werden. Die Firma Jehmlich erhielt erneut einen Auftrag zum Bau einer Orgel im Dom zu Greifswald. Dort sollte die alte Buchholz-Orgel ausgebaut und durch eine neue Jehmlich-Orgel ersetzt werden. Kristian Wegscheider schlug jedoch deren Restaurierung vor, weil er deren klanglichen Wert trotz des nicht mehr guten Zustandes klar erkannt hatte. Der damalige Bischof Horst Gienke verlangte wegen dieser Haltung Wegscheiders dessen Entlassung. Der Neubau wurde durchgesetzt und deshalb kündigte Wegscheider. Er arbeitete kurze Zeit im Leipziger Musikinstrumenten-Museum als Restaurator und entschloss sich vor der Wende, selbständig zu werden. Einige unserer Mitglieder hatten ja Gelegenheit, seine Werkstatt in Dresden zu besuchen, und alle waren begeistert von dem malerisch gelegenen ehemaligen Bauernhof am Stadtrand Dresdens, wo auch die Kleine Saalorgel entstand.

Auf entsprechende Fragen des dieses Mal moderierenden Herrn Dr. Creuzburg erzählte er, dass es in Deutschland ca. 400 Orgelbauwerkstätten gäbe, davon ca. 50 mittelgroße Werkstätten, zu denen auch er gehöre. Deutschland habe die weltgrößte „Orgeldichte“ mit 50.000 (!) Instrumenten; die Orgelsprache sei deutsch! Kristian Wegscheider legt großen Wert auf den traditionellen, handwerklichen Orgelbau, was einschließt, dass in seiner Werkstatt die Pfeifen noch selbst gebaut werden. Seine Werkstatt mit 17 Beschäftigten pflege, wie gesagt, den traditionsreichen Orgelbau des 17., 18. und frühen 19. Jahrhunderts, wie er in Deutschland in dieser Konsequenz nur noch von wenigen weiteren Werkstätten gepflegt wird.

Inzwischen war Gewandhausorganist Michael Schönheit gekommen, und es war klar, dass wir zum einen eine interessante Gesprächsergänzung erhielten, zum anderen natürlich auch noch Gelegenheit hatten, das bereits im „Nikisch-Eck“ stehende Modul 1 der Kleinen Saalorgel zu hören. Man merkte bereits beim Gespräch zwischen den beiden, dass sie sehr gut miteinander arbeiten; Michael Schönheit hatte klare Vorstellungen über die Kleine Saalorgel, und beim Bau warfen sich Kristian Wegscheider und er quasi „die Bälle zu“. Kristian Wegscheider betonte, dass das Modul 2 ausschließlich für den Grossen Saal klanglich konzipiert sei. Er antwortete auf eine entsprechende Frage, dass die Kleine Saalorgel, und das sei das ganz Besondere an diesem Instrument, in vier verschiedenen Stimmtonhöhen spielbar sei. Dies wird entweder durch Verschiebung der Klaviatur erreicht, aber auch durch Stimmringe an den Pfeifen, die es erleichtern, auf der jeweiligen Stimmtonhöhe unterschiedliche historische Temperaturen einzurichten.
Alle Besucher dieses „Treffs …“ hörten derart gespannt zu, dass Kristian Wegscheider schließlich noch fragte, ob er etwas zu dem Begriff „Wohltemperiertes Klavier“ sagen solle, was natürlich auch für die Orgel gelte. Wegen der vielen „Ja’s“ antwortete Kristian Wegscheider sehr witzig, dass man sich unter einem wohltemperierten Klang folgendes vorstellen müsse: Grob umrissen könne man sagen, dass in der Zeit vor J. S. Bach das Intervall Terz das wichtigste konsonante Intervall war. Deshalb stimmte man die Terzen möglichst rein. Wenn man aber die drei Terzen innerhalb einer Oktave rein stimmt, dann ist die Oktave nicht mehr rein. Deshalb musste man eine der drei Terzen „opfern“; man musste sie also verstimmen. Von den zwölf Terzen innerhalb einer Oktave ließen sich deshalb nur acht Terzen rein stimmen. Vier Terzen waren verstimmt. Sie enthielten „akustischen Dreck“, der sich nicht „wegsaugen“ lässt. Wenn man sich dazu folgendes Bild vorstellt, so Wegscheider, wird dieses Problem auch für die Augen „hörbar“: In einem Tanzsaal wird der breite Mittelgang für die acht Terzen ganz sauber poliert. Der „akustische Dreck“, den man nicht wegsaugen kann, wird rechts und links an den Rand geschoben (das sind zwei schlechte Terzen links und zwei schlechte Terzen rechts). Diese damit erreichte Stimmung wird landläufig als mitteltönige Stimmung bezeichnet. Johann Sebastian Bach wollte jedoch den gesamten harmonischen Raum nutzen und nicht nur den breiten polierten Mittelgang. Bach habe nichts anderes gemacht, als den „Dreck“ mehr oder weniger gleichmäßig auf den Tanzboden zu verteilen! Und das nennt man die wohltemperierte Stimmung; das wohltemperierte Klavier ist geboren! Das Gelächter und die Genugtuung, das inhaltlich komplizierte Wort „wohltemperiert“ nun verstanden zu haben, war allgemein!
Selbstverständlich spielte Michael Schönheit noch eine Reihe von kleinen Stücken, wegen der Weihnachtszeit eine Reihe von Variationen zu dem bekannten Weihnachtslied „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, bei dessen Interpretation deutlich wurde, über welch tolle Variabilitäten allein Modul 1 der Kleinen Saalorgel verfügt. Nicht zuletzt durch diesen langen Nachmittag gewannen wir Mitglieder die Genugtuung, dass sich unser bisher größtes Engagement bei der Beschaffung von Instrumenten für das Gewandhaus wirklich gelohnt hat.

Der erste Gast im neuen Jahr war am 9. Januar 2019 Herr David Petersen, musikalisch tätig in der Gruppe der Ersten Fagottisten im Gewandhausorchester. Gebürtig 1968 in Schwerin als Sohn des dortigen Domkantors an der berühmten Ladegast-Orgel geboren, wuchs er gemeinsam mit fünf weiteren Geschwistern in einem sehr offenen Künstlerhaushalt auf. Sein Vater fasste seinen Beruf als Berufung auf. Wie David Petersen dankbar bekannte, hat er von seinem Vater gelernt, mit Musik die Seelen zu erreichen. Musik wurde zu Hause also großgeschrieben. David Petersen berichtete lachend, das Weihnachtsoratorium in allen Stimmlagen gesungen zu haben. Mit 13 Jahren erwachte in ihm die Sehnsucht nach Orchestermusik, und als Folge gab es für ihn den Wechsel an die Spezialschule für Musik nach Dresden. Schon damals spielte er Fagott, und nach zunächst nur mäßiger Fagott-Leistung, wie er offen bekannte, hatte er nach einem Jahr alle überholt. Damit ergab sich ein sehr guter Übergang zur Dresdner Hochschule für Musik. Das Studium setzte er dann in Berlin fort. Sein aus ideologischen Gründen kritisches Verhältnis zur DDR führte ihn dazu, am 9. Oktober 1989 über Ungarn nach Hannover umzusiedeln. An der dortigen Hochschule legte er sein Examen ab, machte aber sein erstes Probespiel im Gewandhaus. Kurt Masur war von ihm sehr angetan, und er erhielt sofort die Stelle als Solo-Fagottist.

Natürlich stellte die wie immer sehr gut vorbereitete Moderatorin, Frau Prof. Helga Schmidt, auch Fragen nach dem Instrument. Herr Petersen erläuterte, dass das Fagott eigentlich drei bis vier Meter lang sei und im Holzkorpus sozusagen gebogene Röhren verborgen seien. Selbstverständlich baut auch Herr Petersen die Doppelblattrohre des Mundstücks selbst. Dazu braucht man Nerven und beim Spiel immer wieder Reserven. Er selbst spielt ein Instrument des Hannoveraner Fagott-Bauers Leitzinger. Weil er von ihm so begeistert ist, hat das von ihm mitbegründete Fagott-Quartett den Namen „Leitzinger Basson-Quartett“. Daraus geht bereits hervor, dass David Petersen ein begeisterter Kammermusiker ist: Er gehört dem 1993 gegründeten, aus Bläsern und Streichern bestehenden Mendelssohn-Oktett an. Dort werden viele für die fünf Streicher und die drei Holzbläser arrangierten Werke aufgeführt.
Natürlich hörten wir auch Musik, z.B. Ausschnitte aus Mozarts Fagott-Konzert und sogar per Video ein Werk von Wagner, bearbeitet für vier Fagotte. In diesem Zusammenhang verwies David Petersen auch auf ein Konzert am 31. März im Gohliser Schlösschen, in welchem die 5. Sinfonie von Beethoven, bearbeitet für vier Fagotte (!), zur Aufführung kommt.
Selbstverständlich ist David Petersen auch lehrend tätig, und zwar an der Musikhochschule Rostock und an der Musikschule Halle, dort im Grundlagenunterricht. Auf die Frage von Frau Prof. Schmidt nach seinem Hobby, sagte er lachend, sein Hobby sei die Begleitung seiner fünf Kinder, alle als Fechter sportlich aktiv, zu den jeweiligen Wettbewerben. So ein bisschen sei der Fechtsport allerdings auch auf ihn abgefärbt. Das führte zu der wirklichen Einmaligkeit, dass die 2017 in Leipzig stattfindende Fechtweltmeisterschaft mit Gewandhausmusikern eröffnet wurde, die dort die berühmte Bach-Kantate „Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten!“ spielte.

Wie bereits vorstehend berichtet, wurde zu Beginn des „Treffs …“ am 13. Februar 2019 dem Gewandhaus anlässlich des 200. Treffs die Gewandhauschronik feierlich überreicht. Dann kam Gregor Nowak zu Wort, der seit 2012 das Schumann-Haus leitet. Er ist, wie er von sich erzählte, kein Musikwissenschaftler, sondern Cellist und der Leiter des Mendelssohn-Kammerorchesters.
Natürlich stand im Jahr des 200. Geburtstages von Clara Schumann die wirklich einmalige Persönlichkeit dieser Künstlerin im Mittelpunkt des „Treffs …“; Sie war sozusagen der eigentliche Gast unserer 200. Veranstaltung. Im lebhaften Zwiegespräch zwischen Frau Prof. Helga Schmidt und Herrn Gregor Nowak wurde die Einmaligkeit dieser weltberühmten Klaviervirtuosin und auch Komponistin beleuchtet. An dieser Stelle können nur Stichpunkte zu den Besonderheiten ihres Lebens und ihres Schaffens genannt werden:

  • Es dürfte weniger bekannt sein, dass nicht ihr Vater, sondern ihre Mutter Marion Clara den ersten Klavierunterricht gab. Friedrich Wieck erkannte jedoch ihr ganz besonderes Talent und förderte es nach Kräften. Clara Wiecks Kindheit war zwar musikerfüllt; sie litt jedoch merklich unter den konstanten ehelichen Zerwürfnissen. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass sie aus diesem Grund erst mit fünf Jahren zu sprechen begann.
  • Bereits als 16jähriges Mädchen wurde Clara Wieck in Wien zur kaiserlichen Hofpianistin ernannt!
  • Nach der unter den bekannten dramatischen Umständen geschlossenen Ehe mit Robert Schumann führten beide das damals noch völlig ungewöhnliche „Experiment Künstlerehe“. Ungewöhnlich für die damalige Zeit war die Tatsache, dass Robert Schumann es so wollte, dass seine Frau Clara die finanzielle Versorgerin der Familie wurde. Trotz ihrer Kinder unternahm sie aus diesem Grund sehr viele Konzertreisen.
  • Nach Robert Schumanns Tod war ihre Konzerttätigkeit quasi existentiell, denn sie musste nicht nur für ihre Kinder, sondern auch für eine Reihe von Enkeln materiell sorgen.
  • Clara Schumann gab in England erstmals in der Welt reine Klavierabende; das war bis dahin völlig unüblich.
  • Allein im Gewandhaus hat sie 74 Mal gespielt!
  • Clara Schumann war nicht nur eine außergewöhnliche Pianistin, sondern, da es damals Konzertagenturen, wie wir sie heute kennen, noch nicht gab, auch „Managerin“. So verhandelte sie auch selbst – und das als Frau! – über ihre Gage!
  • Clara Schumann fasste ihre Klavierabende auch als Bildungsauftrag auf, und entsprechend stellte sie ihre aufzuführenden Werke als derartiges Konzert zusammen.
  • Clara Schumann war die erste Professorin, und zwar am Frankfurter Konservatorium!


Herr Nowak informierte darüber, dass gegenwärtig im Schumann-Haus in der Inselstraße die Ausstellung völlig neu konzipiert und im Herbst 2019 eröffnet wird. Nicht mehr Robert Schumann allein, sondern das Künstlerpaar steht im Mittelpunkt der neuen Ausstellung. Insgesamt wird es in Leipzig 170 Veranstaltungen zu Clara Schumann geben. Damit steht Leipzig im Zentrum der geburtstäglichen Ehrung für diese außergewöhnliche Künstlerin.

Selbstverständlich gab es auch Musikbeispiele: So hörten wir einen Ausschnitt aus dem 3. Satz ihres Klavierkonzertes op. 7 und Ausschnitte aus dem Liederzyklus „Liebesfrühling“ von Robert Schumann, wobei drei von Clara Schumann komponierte Lieder enthalten sind. Für uns Mitglieder war dieser „Treff …“ ein sehr schöner Auftakt des Clara-Schumann-Jahres!


7. Restliche Termine Generalproben und „Treff im Nikisch-Eck“ Saison 2018/2019

Wegen der vielen zu uns neu gekommenen Mitglieder möchten wir die in dieser Saison noch stattfindenden „Treffs im Nikisch-Eck“ und von uns zu besuchenden Generalproben mitteilen:

Treff im Nikisch-Eck:

Mittwoch, 24. April 2019
Mittwoch, 8. Mai 2019
Mittwoch, 12. Juli 2019

Beginn ist jeweils 15:00 Uhr im „Nikisch-Eck“ im Erdgeschoss des Gewandhausfoyers.

Generalproben:

Donnerstag, 28. März 2019
Donnerstag, 25. April 2019

Treffpunkt ist jeweils 09:45 Uhr im Personaleingang des Gewandhauses.

Wir bitten um Beachtung, dass wir Mitglieder jeweils in Gruppen durch das Haus zum Grossen Saal geführt werden.

8. Neue Mitglieder


Es ist uns eine ganz besondere Freude, über so viele Musikfreunde informieren zu können, die seit dem Erscheinen der letzten „Nachrichten …“ Mitglied unserer Gesellschaft geworden sind. Wir betrachten es sowohl als eine Bestätigung dafür, dass unsere Gesellschaft als Förderverein eine gute Arbeit macht, aber auch als Zeichen dafür, dass die Mitglieder unserer Gesellschaft eine besondere Nähe zum Gewandhaus und insbesondere zum Gewandhausorchester haben möchten.

Aus der Festschrift zur Einweihung der Kleinen Saalorgel+

Lesen Sie HIER Auszüge aus der Festschrift zur Einweihung der Kleinen Saalorgel

© Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig e.V.