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Aktuelles 2020

Kurznachrichten Nr. 2 / Dezember 2020 Saison 2020/21+

Liebe Mitglieder,

im März 2020 haben Sie das letzte Heft unserer „Nachrichten …“ erhalten! Den Grund für diese ungewöhnlich lange Pause bis zum Heft 2 / 2020 müssen wir Ihnen sicherlich nicht lange erklären. Selbstverständlich „gibt“ es uns noch; Sie haben es ja an unserer Post vom 20. April, an unserer schriftlich durchgeführten Jahresmitgliederversammlung und auch an den Ihnen zugesandten steuerlichen Bestätigungen für Ihre Mitgliedsbeiträge und Ihre Spenden gemerkt. Darauf wird im Text dieses Heftes noch näher eingegangen. Verständlicherweise gab es nun weniger Stoff für unsere „Nachrichten …“, sodass Sie, liebe Mitglieder, sicherlich für diese lange Pause Verständnis haben. Wenn Sie dieses Heft in den Händen halten, wird zwar nicht „Leise rieselt der Schnee“ sein, aber Weihnachten und Jahresende sind nähergerückt. Trotz so mancher Einschränkungen wünschen wir Ihnen gute und gesunde Weihnachtstage und vor allem, dass dass kommende Jahr auf vielen Gebieten wieder normal und „musikalischer“ werden möge!

Auch im Namen der weiteren Vorstandsmitglieder grüße ich Sie ganz herzlich!

Ihr

Dr. Andreas Creuzburg
Vorstandsvorsitzender

1. Das Gewandhaus im „Corona-Strudel“


Anders kann man, wenn man auf die Zeit von März 2020 zurückblickt, die bis heute noch bestehende Situation nicht beschreiben. Jeden Tag gab es neue Verfügungen, um die Aus-breitung der Corona-Infektionen zu begrenzen. Das Gewandhaus mit den notwendigen Pla-nungen auf weit vorausliegende Termine war dadurch sehr gefordert; es konnte aufgrund dieser Umstände jedoch nur „auf Sicht“ gefahren werden.
So etwas hat es in der nunmehr 239jährigen Geschichte der Gewandhauskonzerte noch nie gegeben. Bis 2020 fielen ganze vier Konzerte aus und zwar 1945 unmittelbar nach der Be-setzung Leipzigs durch US-amerikanische Truppen. Mit großem Aufwand und, das soll nicht verschwiegen werden, auch mit konfliktären Situationen wurden Anrechtskonzerte und im Vorverkauf erworbene Konzertkarten ungültig und durch Eintrittskarten für „Corona-gemäße“ Konzerte ersetzt. Und auch dieses mit viel Aufwand und Mühe vorbereitete Projekt wurde buchstäblich wieder über den Haufen geworfen angesichts der vor wenigen Wochen wieder stark angestiegenen Infektionszahlen. Und was der Gewandhausdirektor zu künfti-gen Konzertreisen äußerte, stimmt mehr als nur bedenklich! Einschränkungen betrafen auch unsere Gesellschaft: Dankenswerterweise hatte die Abteilung Marketing des Gewandhau-ses überlegt, uns Mitgliedern den Besuch der Generalprobe für das Konzert am 3. Dezember 2020 zu ermöglichen, selbstverständlich unter Einhaltung des Hygienekonzepts. Die entspre-chende Post an Sie, liebe Mitglieder, war bereits vorbereitet; dann kam die Verordnung, die wieder sämtliche Konzerte unmöglich machte! Sie alle werden dieses Geschehen sowohl im Fernsehen, im Radio und in der Tagespresse verfolgt haben, denn die Situation ist ja in allen Bundesländern im Wesentlichen die gleiche. Obwohl es präzise vorbereitete und sehr um-fangreiche Versuche in der großen Leipziger Arena-Sport- und Veranstaltungshalle gab, um sich ein Bild über die mögliche Ansteckung während einer Veranstaltung zu machen und das Resultat durchaus ermutigend hinsichtlich der Durchführbarkeit war, floss dieses Ergebnis nicht in die Verordnung ein. Es ist verständlich, dass viele Mitbürger, vor allem auch die Mu-sik- und Opernfreunde, nicht glücklich darüber sind. Angesichts der immer noch vorhande-nen großen Unkenntnis über die Ausbreitungswege dieses Virus ist der harte Kurs anderer-seits wiederum verständlich. Nicht nur das vor allem in Deutschland und Österreich mit viel Aufwand vorbereitete und von den Musikfreunden mit Vorfreude erwartete „Beethoven-Jahr“ ist dieser Pandemie zum Opfer gefallen.

Eine Prognose, wie es mit dem Kulturleben, insbesondere mit den Veranstaltungen im Ge-wandhaus zu Leipzig, weitergeht, kann verständlicherweise nicht gegeben werden. Wir kön-nen Sie nur bitten, sich im Internet über die Stichworte „Gewandhaus zu Leipzig, Corona“ mit dem aktuellen Stand vertraut zu machen. Selbstverständlich hoffen wir gemeinsam mit Ihnen, dass in nicht allzu langer Zeit wieder „normale“ Veranstaltungsbedingungen herr-schen können. Wir denken da z.B. auch an das mit viel Geschick und Mühe vorbereitete Mahler-Festival, das im Frühjahr 2021 im Gewandhaus stattfinden soll. Wie schön auch, dass unser Gewandhauskapellmeister Andris Nelsons seinen Vertrag mit der Stadt Leipzig bis 2027 verlängert hat – der Stadtrat hat dieser Tage zugestimmt! – wir ihn jedoch z.Z. nicht erleben können. Sie merken es selbst, liebe Mitglieder, Prognosen können nicht ge-stellt werden; wir können nur positiv hoffen!

Leider können wir auch keine Prognose hinsichtlich unserer Möglichkeiten, das Gewandhaus für Generalproben und für den „Treff im Nikisch-Eck“ zu nutzen, geben. Was den „Treff im Nikisch-Eck“ betrifft, so waren wir davon ausgegangen, dass angesichts der für April und Folgemonate geltenden Einschränkungsverordnungen klar war, dass der „Treff im Nikisch-Eck“ nicht stattfinden kann. Wir bedauerten zu erfahren, dass jedoch einige Mitglieder um-sonst an den von uns bekannt gemachten Treff-Terminen erschienen waren. Sollte sich die Situation positiv entwickeln, werden wir Sie selbstverständlich sofort informieren.

2. Unsere (schriftliche) Jahresmitgliederversammlung 2020


Wie bereits auf Seite 3 erwähnt, erhielten Sie, liebe Mitglieder, mit Datum vom 8. Juni 2020 jene Unterlagen übersandt, die Sie in die Lage versetzten, unsere Jahresmitgliederver-sammlung 2020 schriftlich wahrzunehmen. Am 9. Juli 2020, also neun Tage nach dem Fris-tende Ihrer Stimmabgabe, erfolgte die Auszählung durch drei Mitglieder unserer Gesell-schaft, Frau Dr. Rita Berger, Frau Solveig Schöber und Herrn Jochen Forßbohm. Diesen drei Mitgliedern sei auch an dieser Stelle sehr herzlich für diese Arbeit gedankt. Wir hatten diese Auszählung extra in die Frühstunden verlegt, damit Frau Schöber rechtzeitig zum Unter-richtsbeginn als Lehrerin an der Leipziger Thomasschule eintreffen konnte! Noch am glei-chen Tage wurde das Protokoll dieser schriftlichen Jahresmitgliederversammlung fertigge-stellt und nebst Anlagen am 14. Juli dem Registergericht beim Amtsgericht Leipzig zuge-stellt. Das Protokoll hat folgenden Wortlaut:

Protokoll der Mitgliederversammlung 2020 der
„Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig e.V.“ vom 09.07.2020


1. Vorbemerkung
Der Vorstand hatte in seiner Sitzung vom 15.05.2020 einstimmig beschlossen, die ursprüng-lich für den 15.05.2020 in der bis dato üblichen Form geplante Jahresmitgliederversamm-lung wegen der inzwischen erlassenen Vorschriften zur Eindämmung des Pandemiegesche-hens ausfallen zu lassen und stattdessen in einer dem „Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht“ entsprechenden Form durchzuführen, nach der alle Mitglieder ohne Anwesenheit am Versammlungsort ihr Abstimmungsrecht ausüben können.


2. Durchführung
Allen 823 Mitgliedern wurden mit Datum vom 08.06.2020 die in Anlage 1 aufgeführten Unterlagen postalisch zugesandt. (Die Differenz zu den im Vorstandsbericht aufgeführten 826 Mitgliedern ergibt sich daraus, dass ein Mitglied unmittelbar nach dem 12.05.2020 per Vormund ausgetreten, ein weiteres Mitglied leider verstorben ist und ein Mitglied, von dem regelmäßig Mitgliedsbeiträge eingehen, postalisch nicht auffindbar ist). Damit standen allen 823 Mitgliedern sowohl die für eine fundierte Abstimmung erforderlichen Informationen als auch das Ergebnis der Kassenprüfung durch die beiden Kassenprüfer zur Verfügung.
Am 07.07.2020 wurden von drei Mitgliedern unserer Gesellschaft - sie gehören weder dem Vorstand an, noch sind sie Vorstandsmitgliedern familiär verbunden - die Zahl der Rücksen-dungen und die einzelnen Voten hinsichtlich der Entlastung des Vorstandes ausgezählt. Die Ergebnisse gehen aus dem Protokoll (Anlage 2) hervor.

3. Ergebnis
Gemäß Protokoll der drei Mitglieder (Anlage 2) ergibt sich folgendes:

  1. Die Zahl der angeschriebenen Mitglieder betrug 823.
  2. Die Zahl der Rücksendungen betrug 537.
  3. Mit der sich daraus ergebenden Teilnahme von 65,25 % ist die Beschlussfassung der Mitglieder gültig.
  4. Die Zahl der Zustimmungen zum Entlastungsvorschlag für den Vorstand betrug 532.
    Die Zahl der Gegenstimmen betrug 0.
    Die Zahl der Stimmenthaltungen betrug 5 (die 5 Mitglieder des Vorstandes).
  5. Aus den vorstehenden Ergebnissen folgt, dass der Vorstand für seine Arbeit im Kalenderjahr 2019 von den Mitgliedern zu 100 % entlastet worden ist.


Leipzig, den 09.07.2020

gez. Dr. Andreas Creuzburg
Vorstandsvorsitzender  

gez. Jana Schmidt
Schriftführerin

Wie Sie, liebe Mitglieder, selbst lesen können, haben wir mit Ihrer 65,25 %igen Beteiligung die mit 50 % vorgeschriebene Mitgliederbeteiligung deutlich übererfüllt. Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Wir Vorstandsmitglieder bedanken uns für das uns entgegengebrachte Ver-trauen, denn wir erhielten keine Gegenstimmen. Der Aufwand für diese besondere Form der Jahresmitgliederversammlung war nicht unbeträchtlich; wir hoffen, dass wir am 30. April 2021 unsere kommende Jahresversammlung wieder unter den gewohnten Bedingun-gen abhalten können. Selbstverständlich erhalten Sie dazu noch eine gesonderte Einladung zum gegebenen Zeitpunkt.


Im Übrigen war Frau Franziska Vorberger vor mehreren Jahren einmal Gast im „Treff im Nikisch-Eck“ und, daraus resultierten ja die Fragen, hat unsere Gesellschaft der Musikver-mittlung im letzten Jahr das sog. „Würfelpuzzle“ finanziert, ganz abgesehen davon, dass wir bereits im Jahre 2009 dieser Gruppe ein Instrumentarium im Wert von 4.000,00 Euro finan-ziert hatten.

3. Ihre Mitgliedsbeiträge und Spenden


Inzwischen werden die allermeisten von Ihnen die steuerliche Bestätigung Ihrer Mitglieds-beiträge und Ihrer Spenden erhalten haben. Auch wenn wir bei einer Vielzahl dieser Bescheinigungen noch einen schriftlichen Dankesgruß hinzugefügt haben, ist es uns ein ganz großes Bedürfnis, Ihnen ganz, ganz herzlichen Dank für Ihr finanzielles Engagement zu sagen! Es gibt leider Fördervereine, in denen sich die Corona-bedingte Lähmung des öffentlichen Lebens auch auf das finanzielle Engagement ihrer Mitglieder auswirkt. Das ist bei uns in keiner Weise der Fall; im Gegenteil: Wir gewannen den Eindruck, dass Sie zu unserer großen Freude auf diesem Gebiet besonders aktiv waren! Und dieser Dank gilt ganz beson-ders Ihnen, liebe auswärtige Mitglieder, die Sie ja ohnehin weniger von den Gewandhaus-konzerten und von dem Mitgliederleben unserer Gesellschaft haben können! Und darüber hinaus verzichteten viele von Ihnen auf die Erstattung nicht stattgefundener Konzerte. Sie spendeten die Kartenkosten entweder uns oder direkt dem Gewandhaus. Dies belegt die enge bürgerliche Verbindung mit dem Gewandhausorchester, das zu Recht das älteste bürgerliche Orchester der Welt ist. Und gemeinsam mit Ihnen, liebe Mitglieder, ist der Vorstand stolz, gerade in diesen schwierigen Zeiten ein guter Partner des Gewandhauses zu Leipzig zu sein.

 

4. Der Förderverein „Freundeskreis des Gewandhaus-Chores e.V.“ besteht nicht mehr – Die „Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig e.V.“ übernimmt dessen Aufgaben

 


Wir hatten bereits in unseren „Nachrichten …“ Nr. 1 / März 2020 auf Seite 10 vorläufig dar-über informiert. Im Folgenden informieren wir Sie über die offizielle Verlautbarung:

Der bereits 1992 gegründete Förderverein „Freundeskreis des Gewandhaus-Chores e.V.“ hat 28 Jahre lang eine wertvolle fördernde und ideelle Arbeit für den Gewandhaus-Chor geleis-tet. Da die 1993 gegründete „Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig e.V.“ neben dem Gewandhausorchester u.a. auch den Gewandhaus-Chor unterstützt (z.B. 2015 die erneute Aufführung der Bach’schen „Markus-Passion“), gab es auch von Seiten der Ge-wandhausleitung Überlegungen, diese Initiativen in einem Förderverein zu bündeln.
In mehreren zwischen den Vorständen beider Fördervereine geführten sehr vertrauensvollen und auch von der Gewandhausleitung begleiteten Gesprächen wurde vereinbart, dass der Vorstand des „Freundeskreises des Gewandhauschores“ ihrer Mitgliederversammlung die Vereinsauflösung als geeignetsten Weg vorschlägt und zugleich diese Musikfreunde zur Mitgliedschaft in die „Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig e.V.“ einlädt. In der am 5. Februar 2020 stattgefundenen Mitgliederversammlung erfolgte der Auflö-sungsbeschluss von den anwesenden Mitgliedern einstimmig. Am 2. April 2020 wurde die-ser Verein aus dem Vereinsregister beim Amtsgericht Leipzig gestrichen.
Die Gewandhausleitung und insbesondere die Chorleitung und die Chormitglieder danken den nun ehemaligen Mitgliedern dieses Förderkreises mit dem seit dem Jahr 2000 amtie-renden Vorsitzenden, Herrn Dr. Wolfram Diecke, sehr herzlich für die jahrelange wertvolle Unterstützung. Die „Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig“ sieht es nun als ihre Aufgabe an, die Förderbelange für den Gewandhaus-Chor noch stärker als bisher wahrzunehmen.

Zu unserer Freude sind bereits Herr Dr. Diecke und weitere ehemalige Mitglieder des „Freundeskreises des Gewandhauschores“ Mitglieder unserer Gesellschaft geworden. Wir gehen davon aus, dass noch weitere „Chor-Freunde“ sich zu diesem Schritt entschließen. Wir informieren Sie auch gern darüber, dass nach Abzug aller finanziellen Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit dieser Vereinsauflösung eine Restsumme von ca. 5.000,00 Euro auf unser Konto überwiesen worden ist. Inzwischen gibt es auch Überlegungen von Seiten der Leitung des Gewandhauschores für ein musikalisches Projekt, das jedoch – wen wundert es? – von der Corona-Situation abhängig ist. Deshalb kann hier noch nichts Konkretes mitgeteilt werden. Wir freuen uns jedoch, dass wir so kurz nach der Auflösung dieses speziellen För-dervereins in dessen Fußstapfen treten können.

5.  „Treffs im Nikisch-Eck“

Ja, Sie haben leider richtig gelesen, es gibt nur über einen „Treff …“ zu berichten. Er fand unmittelbar vor den Corona-bedingten Schließungen am 4. März 2020 statt und war dem 250. Geburtstag von Ludwig van Beethoven gewidmet. Für diesen Treff konnte der Musikwissenschaftler Dr. phil. habil. Michael Märker gewonnen werden. Zunächst einige Worte zu unserem Gast: Der 1956 in Radebeul geborene Michael Märker studierte von 1975 - 1980 Musikwissenschaft an der Universität Leipzig. Nach einer Lehrtätigkeit als wissenschaftlicher Assistent und später als Dozent an der gleichen Universität wurde er Leiter des Institutes für Musikwissenschaft und Musikpädagogik. Neben dieser Tätigkeit war er von 1990 – 1999 auch Lehrbeauftragter für Musikgeschichte und Musikästhetik an der Leipziger Hoch-schule für Musik und an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle. Ganz un-gewöhnlich: Nach Ablauf der befristeten Tätigkeit an der Universität Leipzig arbeitete Herr Märker ab 1999 an einer Privatbank im Mainzer und Wiesbadener Raum. Seit 2013 ist Dr. Märker ausschließlich freiberuflich tätig. Ein Ergebnis seiner freiberuflichen Tätigkeit ist die 2019 im Altenburger Verlag Klaus-Jürgen Kamprad erschienene Bildbiografie über Beethoven, die zweifellos auf den im Jahre 2020 stattfindenden Jubiläumsgeburtstag dieses Komponisten zielte. -  Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Dr. Creuzburg vermittelte der Autor anhand dieses Buches ein äußerst lebendiges Bild über Beethoven, dessen Leben und Wirken unmöglich mit nur wenigen Adjektiven beschrieben werden kann. Sein komposi-torisches Werk, das zweifellos, solange die menschliche Zivilisation besteht, gegenwärtig bleiben wird, steht oftmals im Gegensatz zu seinem Leben, in welchem er es manchen Mitmenschen in Vielem nicht leicht gemacht hat. Allein die Tatsache, dass er in Wien zwi-schen 26 und 49 Wohnungen bezog, spricht dafür Bände: Beethoven, so führte Dr. Märker aus, war von seiner geistigen Haltung her ein Rebell, aber er war materiell abhängig von Adligen, was allein schon an den Widmungen vieler seiner Werke an adlige Sponsoren erkennbar ist. Nur ein Beispiel: Die Quartette op. 59 sind als Rasumowsky-Quartette in die Musikgeschichte eingegangen. - Obwohl dem weiblichen Geschlecht sehr zugetan, war er nicht für längere Bindungen fähig; er soll 28 „Körbe“ von Frauen erhalten haben, denen er nähergetreten war. Zweifellos spielte hierbei auch seine Ertaubung, für einen Komponisten eine ganz tragische Zäsur, eine Rolle. Aber Beethoven war keineswegs nur gesellschaftlicher Außenseiter; bereits im Alter von 45 Jahren wurde er zum Ehrenbürger Wiens ernannt und er konnte oft seinen Ruhm genießen, besonders zur Zeit des Wiener Kongresses, wie Dr. Märker ausführte. Es kann an dieser Stelle natürlich kein Platz sein, um über das umfangreiche Schaffen von Beethoven zu berichten. Das ist auch nicht nötig, denn Sie sind als Musik-freunde bestens mit seinen Werken vertraut, ob nun mit seinen Sinfonien, seinen Klavier-werken, seinen Kammermusikwerken oder mit seiner Oper „Fidelio“. In vielen politischen Systemen spielte insbesondere seine 9. Sinfonie eine besonders große Rolle. Das hat auf alle Fälle etwas mit der genialen Anlage dieses einzigartigen Werkes zu tun.
Diese Bildbiografie über Ludwig van Beethoven, spannend und reich bebildert, kann Ihnen, liebe Musikfreunde, nur empfohlen werden! Auch wird sein geniales Komponistentum in einem nachvollziehbar machenden Kontext mit seinem oft schroffen Wesen gestellt. Das Buch kostet ganze 19,80 Euro und kann entweder gekauft oder unter der ISBN 978-3-95755-648-6 beim Kamprad-Verlag in Altenburg bestellt werden.
Selbstverständlich gab es an diesem Tag auch Musik zu hören: Der junge freiberuflich tätige Pianist Thierry Gelloz brachte uns einige nicht ganz so bekannte Ausschnitte aus Klavierwerken zu Gehör, ein Beleg dafür, wie weit gespannt dieses unvergleichliche Genie Ludwig van Beethoven zu schaffen imstande war!

In diesem Zusammenhang muss noch einmal zum Ausdruck gebracht werden, wie schade es war und noch ist, ausgerechnet im Beethoven-Jubiläumsjahr den Wegfall so vieler diesem Komponisten gewidmeter Konzerte erleben zu müssen. Wir können uns, wie bereits oben ausgeführt, nur damit trösten, dass Beethoven’sche Werke auf Dauer lebendig bleiben!

6. Bildband „Die Kunst im Gewandhaus“

Unter maßgeblicher finanzieller Förderung von dem Leipziger Herrn Prof. Dr. Knut Löschke ist es möglich geworden, dass der Leipziger Seemann-Verlag den Band „Die Kunst im Gewandhaus“ editiert hat, der in Wort und vor allem in Bild einen wunderbaren Einblick in die bildende und bildhauerische Kunst im Gewandhaus gibt. Das Leipziger Gewandhaus gehört zu den nicht eben häufigen Konzerthäusern, die, seinerzeit einer Anregung von Kurt Masur folgend, dem Konzertpublikum auch musikverwandte optische Eindrücke vermitteln. Es war nun wirklich an der Zeit, darüber einen Bildband herauszubringen. Dazu gab es am 17. September 2020 eine sehr gelungene Veranstaltung im Mendelssohn-Saal. Sie war verknüpft mit der Übergabe eines Porträts des früheren Gewandhauskapellmeisters Vaclav Neumann. Dieses von Bernhard Heisig geschaffene Werk war lange im Besitz des Leipziger Kinderarztes Dr. Gerhard Fischer; seine Erben übergaben es als Dauerleihgabe dem Gewandhaus. Es war ein sehr guter Gedanke, beide Ereignisse in einer Veranstaltung zusammenzuführen. Neben dem „Hausherrn“ Herrn Prof. Andreas Schulz, dem großzügigen Spender, Herrn Prof. Dr. Knut Löschke, dem Leiter des Gewandhausarchivs, Herrn Claudius Böhm, kam auch die uns durch einen „Treff im Nikisch-Eck“, bekannt gewordene Geschäftsführerin des Seemann-Verlages, Frau Dr. Annika Bach, zu Wort. Dieser Band gibt sowohl gründliche Auskunft über die Kunstwerke, bietet aber auch durch ganz hervorragende Fotografien einen hohen ästhetischen Genuss bei der Betrachtung der großformatigen Aufnahmen. Hinzu kommt, dass dieser Band hervorragend aufgemacht ist und somit auch ein repräsentatives Geschenk sein kann. Hinzugefügt soll noch werden, dass auch unsere Gesellschaft erwähnt ist, weil sie 1991 dem Gewandhaus die Büste von Vaclav Neumann als Schenkung übergeben hat. Hier finden Sie die offizielle Verlautbarung des Seemann-Verlages mit allen erforderlichen Angaben. Ihnen, liebe Musikfreunde, kann dieses Buch nur empfohlen werden und, siehe oben, es eignet sich auch als ein sehr schönes Geschenk!

7. Neue Mitglieder

Seit unseren letzten „Nachrichten ...“ im März 2020 sind 15 Musikfreunde unsere Mitglieder geworden; darüber freuen wir uns sehr! Wir wünschen Ihnen, liebe neue Mitglieder, dass Sie sich in unserer Gesellschaft wohlfühlen und miterleben können, dem weltberühmten Leipziger Gewandhaus ein Stück näherzustehen. Allerdings ist unsere Mitgliederzahl nicht gestiegen, weil mehrere Mitglieder leider verstorben sind oder aus Alters- und Gebrechlichkeitsgründen ihre Mitgliedschaft aufgegeben haben. (Ärger über unsere Gesellschaft war zu unserer Freude nicht mit im Spiel!)


© Gesellschaft der Freunde des Gewandhauses zu Leipzig e.V.